Blaulichtgottesdienst bietet Impulse, Dankesworte und Perspektiven

Im Landkreis Gießen gibt es neue ehrenamtlich tätige Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger. In einem ökumenischen Gottesdienst in der Gießener Johanneskirche am 12. November wurden sie für ihren Dienst von dem evangelischen Notfallseelsorger Pfarrer Thomas Schill beauftragt.
Schill und Ziegler bedankten sich auch bei Polizei, Feuerwehr und allen Rettungsdiensten für ihren Einsatz für das Leben von Menschen.

Im Team der Notfallseelsorger arbeiten nicht in erster Linie Pfarrerinnen und Pfarrer oder kirchliche Mitarbeiter, sondern Menschen aus den unterschiedlichsten Berufen. Beispielsweise gehören nun auch Lehrerinnen, Psychologen und Angestellte zwischen Mitte 20 und Mitte 60 zum Team.
Rund 100 Vertreter von Polizei, Rettungsdiensten, Feuerwehr und Technischem Hilfswerk sowie Angehörige und Freunde waren zum Jahresgottesdienst der Notfallseelsorge, der auch „Blaulichtgottesdienst“ genannt wird, gekommen.

Sorgenvoller Blick auf das erste Adventswochenende in Gießen

Dekanin Barbara Lang (Grünberg) aus dem Dekanat Gießener Land dankte in ihrer Ansprache den Mitarbeitenden aller Dienste und der Notfallseelsorge für ihren persönlichen Einsatz und professionellen Dienst für Menschen an 365 Tagen im Jahr. Im Blick auf die AfD-Veranstaltung und die geplanten Protestaktivitäten für Demokratie und Vielfalt in Gießen am 1. Advent sprach Lang von einem „herausfordernden Wochenende“ für Polizei, Rettungskräfte und auch Notfallseelsorger.

„Viele sind in Sorge und haben sogar Angst vor diesem Wochenende, weil es so bedrohlich wirkt und weil niemand sagen kann, wie es sein wird.“ Es sei das Ziel antidemokratischer Kräfte, Angst zu verbreiten. „Wenn wir uns vor etwas fürchten sollten, dann vor denen, die unsere Demokratie aushöhlen“, so Dekanin Lang. Sie verwies darauf, dass sich alle demokratischen Parteien, Kirchen, Gewerkschaften, Initiativen und viele Menschen zusammentun, um friedlich, tolerant und gewaltfrei Farbe zu bekennen, etwa beim Fest der Demokratie auf dem Berliner Platz.

Notfallseelsorge wird in akuten Krisensituationen gerufen

Die Notfallseelsorge gibt es seit den neunziger Jahren. Die Notfallseelsorgerinnen und -seelsorger werden von den Leitstellen der Rettungsdienste, der Polizei oder der Feuerwehr in akuten Krisensituationen an den Ort des Geschehens gerufen, aber auch zur Unterstützung von Angehörigen nach häuslichen traumatischen Ereignissen, wie nach erfolgloser Reanimation, plötzlichem Kindstod oder Suizid. Außerdem begleiten sie Polizeikräfte bei der Überbringung von Todesnachrichten.

Mitarbeitende erwerben seelsorgliche, psychologische und organisatorische Kompetenzen und werden in einer qualifizierten Ausbildung auf den Dienst vorbereitet. In den Kursen geht es u. a. um die Themen Stress, Tod, Kindstod, Überbringung einer Todesnachricht, Suizid, Verkehrsunfall, Feuer, Schockreaktionen, Trauerformen oder Gesprächsführung in Krisen.

Ein neuer Ausbildungskurs beginnt Mitte Januar 2026. Grundsätzlich kann jeder ab dem 23. Lebensjahr bei der Notfallseelsorge mitarbeiten. Wer Interesse an der Mitarbeit hat, kann per E-Mail Kontakt aufnehmen: Birgit.Schwarz(at)ekhn.de